Viele Menschen greifen morgens ganz automatisch zu Mascara, Concealer oder Lippenstift. Ob Gewohnheit, Trends oder sozialer Druck – all das spielt eine Rolle. Doch eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass hinter dem individuellen Umgang mit Make-up oft unbewusste Persönlichkeitsmerkmale stecken – sogar solche mit eher dunklen Facetten.
Make-up ist mehr als nur Kosmetik
Ob Foundation, Eyeliner oder Highlighter – Make-up begleitet uns seit Jahrzehnten, während Trends kommen und gehen. Dennoch schminken sich selbst Frauen gleichen Alters mit ähnlichem Alltag oft völlig unterschiedlich. Die eine bevorzugt den natürlichen „No-Make-up-Look“, die andere setzt auf auffällige Smokey Eyes, während eine dritte sich nur zu besonderen Anlässen schminkt.
Lange Zeit wurde dies vor allem mit Geschmack, Erziehung oder kulturellen Einflüssen erklärt. Eine Studie, veröffentlicht im Fachjournal „Archives of Sexual Behavior“, untersuchte nun, ob sich dahinter systematische Persönlichkeitsmuster erkennen lassen.
Das Ergebnis: Die Art, wie Make-up genutzt wird, scheint eng mit Selbstbild, Selbstdarstellung und unbewussten sozialen Strategien verbunden zu sein.
Die Studie: 1410 Frauen im Fokus
Für die Untersuchung wurden 1410 erwachsene Frauen aus Brasilien befragt. Sie absolvierten umfangreiche Persönlichkeitstests, darunter:
- Die Big Five (Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit)
- Die „Dunkle Triade“ (Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie)
Zudem gaben sie detailliert Auskunft über ihre Schminkgewohnheiten: Häufigkeit, Dauer, Kosten und ob sie ihr Make-up je nach Situation verändern – etwa zu Hause, im Büro, auf Partys oder bei Dates.
Mehr Make-up in sozialen Situationen
Ein klares Muster zeigte sich: Allein zu Hause wird deutlich weniger oder gar kein Make-up verwendet. Je sozialer die Situation, desto intensiver wird geschminkt – besonders bei neuen Begegnungen wie Dates.
Make-up fungiert somit oft als eine Art soziale „Rüstung“, die dabei hilft, Unsicherheiten zu kaschieren oder gezielt Eindrücke zu steuern.
Narzissmus: Make-up als Bühne
Frauen mit ausgeprägten narzisstischen Eigenschaften investieren im Schnitt mehr Zeit, Geld und Planung in ihr Make-up. Sie passen ihren Look bewusst an verschiedene Situationen an, besonders wenn es darum geht, Eindruck zu machen.
- häufigeres und intensiveres Schminken
- starke Anpassung an Anlässe
- höhere Ausgaben für Produkte
- klar definierter „Signature Look“
Make-up wird hier zu einem strategischen Mittel, um bewundert zu werden.
Extraversion: Ausdruck der Persönlichkeit
Extravertierte Frauen nutzen Make-up häufig als Erweiterung ihrer Persönlichkeit. Sie setzen auf auffällige Farben und Effekte, um ihre Stimmung und Offenheit zu zeigen.
Im Gegensatz zu narzisstischen Personen bleibt ihr Stil meist konstant – unabhängig von der Situation. Für sie gilt: Make-up spiegelt, wer sie sind.
Psychopathische Züge: Weniger Variation
Frauen mit stärkeren psychopathischen Tendenzen verwenden im Schnitt weniger Make-up und verändern ihren Stil kaum. Für sie steht die Wirkung auf andere weniger im Vordergrund.
Make-up ist hier eher funktional als emotional oder strategisch.
Neurotizismus: Make-up als Schutz
Frauen mit hohem Neurotizismus passen ihr Make-up stark an soziale Situationen an. In Gesellschaft legen sie mehr Wert auf ihr Aussehen, während sie allein eher darauf verzichten.
Make-up dient hier oft als Schutzmechanismus, um Unsicherheiten zu überdecken und Kontrolle zu gewinnen.
- stark deckendes Make-up
- hoher Perfektionsanspruch
- Unwohlsein ohne Schminke
Was der eigene Stil verraten kann
Die Studie zeigt keine festen Kategorien, sondern lediglich Tendenzen. Dennoch lassen sich einige Muster erkennen:
- starke Anpassung → Wunsch nach Bewunderung
- konstanter, auffälliger Stil → extravertierte Persönlichkeit
- wenig Variation → geringes Interesse an Wirkung
- nur in Gesellschaft geschminkt → Unsicherheit
Wichtig: Diese Zusammenhänge sind keine Diagnosen.
Selbstreflexion im Alltag
Wer möchte, kann sich selbst beobachten:
- Schminke ich mich für mich oder für andere?
- Verändert sich mein Look je nach Situation?
- Wie fühle ich mich ohne Make-up?
- Nutze ich in stressigen Phasen mehr Produkte?
Solche Fragen können helfen, eigene Muster zu erkennen.
Chancen und Risiken
Make-up kann sowohl stärken als auch belasten. Einerseits kann es Selbstbewusstsein fördern und Kreativität ausdrücken. Andererseits kann übermäßiger Druck entstehen, immer perfekt auszusehen.
Ein bewusster Umgang hilft, die Balance zu finden.
Fazit
Make-up ist kein bloßes Schönheitsmittel. Es kann ein Spiegel der Persönlichkeit sein – ein Werkzeug, um sich zu zeigen, zu schützen oder auszudrücken. Wer versteht, warum er sich auf bestimmte Weise schminkt, gewinnt mehr Kontrolle über das eigene Selbstbild.









